Montag 27. März 2017

Gesundheit & Medizin | 27.03.2017

Wie Island den Drogenkonsum markant reduzierte (2 von 2)

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Wenn Zahlen sprechen: Drogenfreigabe in Colorado Montag, 27.03.2017 (1 von 2)
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Wie Island den Drogenkonsum markant reduzierte Montag, 27.03.2017 (2 von 2)

Noch vor zwei Jahrzehnten waren Drogenabhängigkeit und Alkoholmissbrauch unter isländischen Jugendlichen weit verbreitete Probleme. Doch nach 20 Jahren harter Arbeit kann Island heute unglaubliche Ergebnisse vorweisen. Auf welchem Weg ist ihnen das gelungen? Kla.tv hat dies näher unter die Lupe genommen!

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Wie Island den Drogenkonsum markant reduzierte 27.03.2017

Nach 20 Jahren harter Arbeit kann Island heute unglaubliche Ergebnisse vorweisen. Denn noch vor zwei Jahrzehnten waren Drogenabhängigkeit und Alkoholmissbrauch unter isländischen Jugendlichen weit verbreitete Probleme, die das Land heute jedoch im Griff hat. Von 1998 bis 2016 ist der Anteil der Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren, die übermäßig viel Alkohol konsumieren, von 48 % auf 5 % und der Anteil der Cannabis-Raucher von 17 % auf 7 % gesunken. Auch die Zahlen der Tabak-Raucher sind drastisch gesunken: von 23 % auf nur noch 3 %. Ein Rückgang, der die jugendlichen Inselbewohner heute zu den gesündesten in ganz Europa macht. Doch der Weg dorthin war lang und schwer. Wer sich dafür interessiert wie es genau dahin kam, findet Details im nachfolgenden Bericht. Wie Island den Drogenkonsum markant reduzierte Der Erfolg dieser Bemühungen, durch den die negative Rangliste, die Islands Jugend auf Platz eins der Drogen- und Alkoholkonsumenten in Europa zeigte, gekippt werden konnte, war nur mithilfe von strikten und direkten Maßnahmen möglich. Dazu zählten die Einführung der Ausgangssperre, eine intensive Zusammenarbeit zwischen schulischen Einrichtungen und Eltern, die Einführung von Verboten sowie das Anbieten von außerschulischen Aktivitäten, die die Jugendlichen den ganzen Tag über beschäftigten. Ein Plan, der bereits 1992 eingeleitet wurde, dessen Wurzeln jedoch in einer Doktorarbeit liegen, die viele Jahre zuvor vom amerikanischen Psychologie-Professor Harvey Milkman in New York geschrieben wurde, der heute an der Universität von Reykjavik tätig ist. In dieser Arbeit ging es um den Zusammenhang zwischen Alkohol- und Drogenkonsum und der Veranlagung zu Stress, der bei verschiedenen Personen untersucht wurde. Nach der Fertigstellung seiner Doktorarbeit wurde Milkman in ein Forschungsteam integriert, das sich der Aufgabe widmete, dem Drogenmissbrauch entgegenzuwirken. 1991 wurde Milkman schließlich nach Island geschickt, um seine Forschungen vorzustellen. Seine Ideen wurden von den Isländern derart positiv aufgenommen, dass er darum gebeten wurde, ein Projekt mit den jungen Inselbewohnern zu starten. 1992 wurde der Fragebogen des Professors allen Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren unterbreitet. Dieses Experiment wurde auch in den nachfolgenden Jahren regelmäßig wiederholt. In dem Fragebogen wurden einfache und direkte Fragen formuliert, wie zum Beispiel: „Trinkst du Alkohol?", „Hast du dich schon einmal betrunken?", „Hast du schon einmal geraucht?", „Wie viel Zeit verbringst du mit deinen Eltern?", „Welche Hobbies hast du?". Die Ergebnisse des Fragebogens waren erschütternd: ca. 25 % der Jugendlichen gaben an, täglich zu rauchen, und 40 % gaben an, sich vor erst knapp einem Monat das letzte Mal betrunken zu haben. Doch es war vor allem ein Ergebnis, das Milkman nachdenklich machte. Denn aus dem Fragebogen ging hervor, dass diejenigen Jugendlichen, die regelmäßig Sport trieben oder an Kursen teilnahmen und ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern hatten, weitaus weniger dazu geneigt waren, Drogen oder Alkohol zu konsumieren. Aus diesen einfachen Fragen entwickelte sich dann auf Initiative der Regierung hin das nationale Programm „Youth in Iceland“, das sowohl Eltern als auch Schulen direkt miteinbezog. Die erste Maßnahme war die Abschaffung der Zigaretten- und Alkoholwerbung, Jugendliche unter 18 Jahren durften keine Zigaretten mehr kaufen und Jugendliche unter 20 Jahren keine alkoholischen Getränke mehr. Anschließend wurde eine Ausgangssperre für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren eingeführt. Diese mussten im Winter um spätestens 22 Uhr und im Sommer um spätestens 00 Uhr zu Hause sein. Das Hauptziel des Programms war dabei, die Jugendlichen so viel Zeit wie möglich zu Hause verbringen zu lassen, wobei die Quantität der mit der Familie verbrachten Zeit der Qualität übergeordnet wurde. Die meisten Präventionsprogramme hatten keine Wirkung gezeigt „Zu dieser Zeit wurden in Island viele Präventions- und Erziehungsprogramme eingeführt", sagt Forschungsassistentin Inga Dóra, die an der Studie teilgenommen hat. Dabei wurden die Jugendlichen über die Risiken aufgeklärt, die durch den Konsum von Drogen und den Missbrauch von Alkohol entstehen können, doch diese Maßnahme erzielte nicht die gewünschte Wirkung. Wie auch in anderen Ländern liegt dies daran, dass diesen Initiativen nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt wird. „Deswegen haben wir schließlich einen anderen Ansatz gewählt", sagt Dóra. Den bisher angewendeten Methoden wurde eine Vielzahl an außerschulischen Aktivitäten jeder vorstellbaren Art hinzugefügt, von sportlichen bis hin zu künstlerischen. Auf diese Weise bot man den Jugendlichen die Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen und gewährleistete gleichzeitig ein psychisch-physisches Wohlbefinden, was sie vorab stets durch den Konsum von Drogen und Alkohol gesucht hatten. Dabei wurden Aktivitäten angeboten, an denen alle Jugendlichen, auch die weniger wohlhabenden, teilnehmen konnten. Zu diesem Zweck hatte die Regierung staatliche Förderungsmittel bereitgestellt. „Natürlich haben wir den Jugendlichen nicht gesagt ‚Ihr macht hier gerade eine Therapie'. Wir haben ihnen gesagt: ‚Wir bringen euch das bei, was ihr möchtet': Musik, Tanz, Kampfsportarten, Zeichnen", erklärt Milkman. Dabei ging es hauptsächlich um Aktivitäten, die auf das Gehirn der Jugendlichen wirkten, so wie es auch die Drogen taten, die sie konsumierten, allerdings ohne negative Auswirkungen. Auf diese Weise konnten sie auch den Stress und ihre Ängste mindern. Der Drogen- und Alkoholkonsum nahm drastisch ab Innerhalb von 15 Jahren, von 1997 bis 2012, hat sich die Zahl der Jugendlichen, die an sportlichen Aktivitäten teilnahmen, verdoppelt, wobei teilweise bis zu vier Mal in der Woche Sportkurse besucht wurden. Auch die Zeit, die gemeinsam mit der Familie verbracht wurde, erhielt einen immer höheren Stellenwert. Dadurch nahm der Anteil derjenigen, die Drogen und Alkohol konsumierten, drastisch ab. Das Programm „Youth in Iceland“ wurde aufgrund des enormen Erfolgs nun zu „Youth in Europe“ umgewandelt, fand bis heute jedoch nur in einigen kleinen Städten in Europa, wie zum Beispiel in Tarragona (Spanien) Anwendung. Viele Länder haben den Vorschlag aus Island wegen einiger der Programmpunkte abgelehnt, zum Beispiel wegen der Erhaltungskosten des Projekts, denn nicht alle Länder hätten die Möglichkeit, öffentliche Gelder in außerschulische Aktivitäten zu investieren. Andere wiederum lehnten die eiserne Disziplin ab, die den Jugendlichen „auferlegt" würde: Schweden gab beispielsweise, an, dass die Ausgangssperre, wie auch in Großbritannien, nicht umsetzbar wäre. Sicher ist jedoch, dass das Programm in Island funktioniert hat und großartige Ergebnisse vorweisen konnte: Die Zusammenarbeit zwischen den Bürgern und dem Staat hat Früchte getragen und den Anteil der Jugendlichen, die Drogen und Alkohol konsumieren, gesenkt. Außerdem hat das Projekt bewirkt, dass Eltern und Kinder wieder zueinander finden, wodurch den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben wurde, einen gesunden und produktiven Lebensstil zu führen.

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