Freitag 26. Mai 2017

Kultur | 26.05.2017

Naidoo/Böhmermann – Künstlerische Freiheit für jeden? (1 von 1)

Vergleichen Sie selbst die politischen Äußerungen von Jan Böhmermann (TV-Satiriker) mit denen von Xavier Naidoo (Sänger) und den jeweiligen Reaktionen der etablierten Medien. Wird diese Medienlandschaft, die sich demokratische Grundrechte und Vielfalt auf die Fahne schreibt, diesen in der Praxis tatsächlich gerecht?

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Naidoo/Böhmermann – Künstlerische Freiheit für jeden? 26.05.2017

Naidoo/Böhmermann – Künstlerische Freiheit für jeden? Die gesellschaftspolitischen Inhalte, die Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims in ihrem neuen Lied „Marionetten“ äußern, empörte die deutsche Medienlandschaft. Das Lied stellt in Frage, ob unsere gewählten Politiker auch tatsächlich ihrer Pflicht nachkommen und die Interessen und Bedürfnisse des Volkes vertreten. In den Medienberichten wurden aus dem Songtext „einzelne Fragmente oder Satzteile teilweise aus dem Kontext gerissen, bewertet, gedeutet und heftig kritisiert“, äußerte der Sänger Xavier Naidoo in seiner Stellungnahme in einem Facebook-Kommentar zu den Vorwürfen. Aufgrund der im Lied verwendeten Begriffe wie „Marionetten“, „Steigbügelhalter“ oder „Volksverräter“ wurde ihm eine antisemitische und nationalistische Einstellung vorgeworfen. Dass derartige Vorwürfe der Realität nicht standhalten, hat Klagemauer.TV in der Sendung: „Xavier Naidoo – mediale Empörungswelle völlig unglaubwürdig“ bereits dargelegt (www.kla.tv/10518). Ein weiteres negatives Medienecho auf das Lied „Marionetten“ erfolgte durch die bitterböse Naidoo-Parodie* des TV-Satirikers Jan Böhmermann. Diese wurde in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ auf ZDFneo ausgestrahlt und kommentierte die Anschuldigungen gegen Xavier Naidoo auf äußerst fragwürdige Art und Weise. Titel der Sendung: „Vox und Sky präsentieren die Hurensöhne Mannheims mit ihrem neuen nicht antisemitischen Hit-Album, „Death to Israel“. Aus „Söhne Mannheims“ machte Böhmermann kurzerhand „Hurensöhne Mannheims“, und aus dem neuen Album „MannHeim“ wurde „Death to Israel“. Im Gesangsteil schlüpfte Böhmermann in die Rolle von Xavier Naidoo und tauscht Textpassagen bekannter Lieder des Sängers „in radikal veränderter Form“ aus, wie auf dem deutschen Internetportal Web.de zu lesen ist. Mit den abgeänderten Texten erscheint Naidoo in einer rassistischen, rechtspopulistischen Ecke und als Verschwörungstheoretiker. So legt Böhmermann in seiner satirischen Nachahmung Naidoo Worte in den Mund, die dieser so gar nie gesagt hat, wie zum Beispiel: „Der Jud ist schuldig, steht zu 100 Prozent fest, ich sag nur: Rothschild, schaut mal ins Netz“. Oder dann spielt Böhmermann auf Naidoos Aussage im ARD-Morgenmagazin aus dem Jahr 2011 an, dass Deutschland gar nicht frei sei, sondern Zitat: „Wir sind immer noch ein besetztes Land.“ Bei Böhmermann lautet es dann: „Dieses Land ist keine Republik, dieses Land ist eine GmbH“, und spielt damit auf die Reichsbürger an. Um jedoch festzustellen, dass sich bis heute zahlreiche militärische Stützpunkte von ausländischen Streitkräften und um die 40.000 ausländische Soldaten in Deutschland befinden, braucht man noch lange kein Reichsbürger zu sein. Oder dann heißt es bei Böhmermann: „Es fliegen über euch her, 20.000 Chemtrails über dem Meer“ – während es bei Naidoo im Original überhaupt nicht um Chemtrails ging, sondern um „20.000 Meilen“ in einem ganz anderen Zusammenhang. Schlussendlich zitiert Jan Böhmermann zudem noch fiktiv Adolf Hitler mit den Worten: „Ich bin ja kein Nazi, aber ich finde die Platte echt stark.“ Böhmermann schafft es, das Lied „Marionetten“ mit Gedankengut in Verbindung zu bringen, wie es mit dem Lied nie beabsichtigt war. So sagte Sänger Henning Wehland der „Söhne Mannheims“ wörtlich: „Ich verstehe das Lied als Appell zum Nachdenken darüber, dass Politik oft missbraucht wird. Und da wollen wir – mit zugegeben überzeichneten Worten – aufrufen, etwas dagegen zu tun. … das Lied ist kein Aufruf zur Gewalt, es ist ein Aufruf zum Dialog.“ Vergleicht man die politischen Äußerungen von Jan Böhmermann mit denen von Xavier Naidoo, so wird deutlich, dass etablierte Medien und Parteien Kunstfreiheit unterschiedlich bewerten. Die Söhne Mannheims werden für ihre politikkritischen Äußerungen in ihrem Lied „Marionetten“ massiv kritisiert. Jan Böhmermann dagegen kommt mit seiner Parodie, in der er mit verleumderischen Begriffen nur so um sich wirft und alles undifferenziert in einen Topf schmeißt, ungeschoren davon. Einmal mehr zeigt sich, wie die etablierten Medien und Parteien mit künstlerischen Darstellungen unterschiedlich umgehen. Einer Medienlandschaft, die sich demokratische Grundrechte und Vielfalt auf die Fahne schreibt, scheint es hier vorrangig darum zu gehen, die Person Xavier Naidoo als Verschwörungstheoretiker oder gar Antisemit abzustempeln und so wirkungsvoll von seiner Kritik abzulenken. Sehen Sie zu dieser Thematik auch unsere Sendungen: „Todesfalle Satire“ (www.kla.tv/7947) sowie „Justiz begründet politisches Urteil mit der „Kunstfreiheit“ (www.kla.tv/7945), zu finden unter den eingegebenen Link-Adressen.

von nm.


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