Sonntag 29. Oktober 2017

Nordkorea: Blick hinter die Fassade (Interview mit Eva Bartlett vom 5.9.2017) (1 von 1)

Was dachten Sie bisher über Nordkorea? „Schwerste Menschenrechtsverletzungen“ und das „weltweit restriktivste politische System“ - dies lesen und hören wir in fast allen Medien. Was aber, wenn es da andere Stimmen, Bilder und Filme gibt? Die unabhängige kanadische Journalistin Eva Bartlett machte sich auf und besuchte das Land. In dieser Sendung erhalten Sie einen Blick hinter die Kulissen. Lernen Sie das Land von einer anderen Seite kennen!

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Nordkorea: Blick hinter die Fassade (Interview mit Eva Bartlett vom 5.9.2017) 29.10.2017

Die „Demokratische Volksrepublik Korea“ (DPRK), bekannt als Nordkorea, gilt „als das weltweit restriktivste politische System der Gegenwart“. So steht es zum Beispiel im Onlinelexikon Wikipedia. Die Staatsführung stehe „wegen schwerer Verletzungen der Menschenrechte international in der Kritik“, heißt es dort weiter. An dem seit 29. Dezember 2011 amtierenden, sogenannten „Obersten Führer“ Nordkoreas, Kim Jong-un, wird in der westlichen Welt kein gutes Haar gelassen. Doch wie sieht es hinter der Fassade wirklich aus – sprich hinter dem dämonisierten Bild über Nordkoreas politischem System, das von westlichen Politikern und Medien unentwegt vermittelt wird –? Eine, die sich genau dieser Frage gestellt hat, ist die unabhängige kanadische Journalistin Eva Bartlett. Eva Bartlett erlangte Bekanntheit, da sie seit 2014 mindestens sechsmal in Syrien war, mit den Menschen dort sprach und aufzeigte, wie sehr die Leitmedien von Anbeginn über Syrien gelogen haben. Nun begab sich Eva Bartlett mit einer kleinen Delegation nach Nordkorea, um von den Nordkoreanern zu hören, was sie über ihr Land, ihre Kultur und die ständige Kriegsdrohung der Vereinigten Staaten zu sagen haben. Sie hielten sich vom 24. bis zum 31. August 2017 in Nordkorea auf Eva Bartlett tat genau das, wovon sich Journalisten etablierter Medien eine Scheibe abschneiden könnten: Sie ging nach Nordkorea, um etwas zu lernen und sich selber ein unvoreingenommenes Bild zu machen. Daher war es für sie eine sehr lehrreiche Reise. Eva Bartlett war immer wieder überrascht, sei es über eindrucksvolle Gebäude, über technische Errungenschaften, alternative Energien, bis hin zu Vergnügungsparks und einer sehr guten Lebensqualität der nordkoreanischen Bevölkerung. Nebenbei, Eva Bartlett konnte Fotos und Videos machen „wie verrückt“ – und niemand hielt sie davon ab. Sehen Sie nun das Interview, das das unabhängige britische Nachrichtenportal UK Column News (UKC) am 5. September 2017 mit Eva Bartlett – kurz nach ihrer Rückkehr aus Nordkorea – führte und welches von Klagemauer.TV auf Deutsch übersetzt wurde. [Interviewer:] Ja, die Frage ist, was ist die Wahrheit über Nordkorea? Und vielleicht kommt jetzt eine andere Geschichte hier. Es freut mich, die unabhängige Journalistin und Kämpferin Eva Bartlett in der Sendung willkommen zu heißen, welche gerade von einer Reise nach Nordkorea zurückgekehrt ist. Willkommen, Eva! Erzählst du uns zunächst ein bisschen über deine Reise und wie es dazu kam? [Eva Bartlett:] Vielen Dank, Mike und Hallo Patrick. Ein Kollege, zwei Kollegen eigentlich … Vanessa Beeley wollte uns begleiten, aber da sie gerade in Syrien war, als wir unsere Pläne schließlich in die Tat umsetzten, konnte sie nicht mitkommen. Aber zwei andere Kollegen und ich wollten nach Nordkorea reisen, um eine andere Version zu hören, als die Version, die uns die Medien erzählen, um es selbst zu sehen. Wir korrespondierten mit jemandem, der einen Kulturausschuss in Nordkorea, in Pjöngjang, leitet. Und er arrangierte eine Woche unterschiedlichster Besuche wie Kultur- und Bildungsbesuche, Besuche an Schulen, Krankenhäusern und Besuche, die ich – offen gesagt – nicht erwartet hatte, dass wir dorthin konnten, auch hinunter zur entmilitarisierten Zone in Panmunjeom. Und mein Gedanke war… Ich ging dorthin, weil ich etwas lernen wollte. Ich wusste sehr wenig, hatte nur Basiswissen über Nordkorea, und daher war es für mich eine sehr lehrreiche Reise. Ich habe eine Anzahl von Fotos und Videos mitgebracht, muss aber sagen, dass diese nur einen Bruchteil dessen darstellen. Ich habe Fotos und Videos gemacht wie verrückt, und was ich hinzufügen sollte: Niemand hielt mich davon ab. Und weil ich kürzlich erst aus China zurückgekehrt bin, wo ich nach meinem Nordkorea-Aufenthalt war, habe ich nur einige der Fotos mitgebracht und kann sehen, dass ihr einige im Hintergrund aufgeschaltet habt. Sie zeigen die Straßen der Stadt, sehr sauber, eine sehr beeindruckende Infrastruktur. Dinge, die ich nicht kannte, die mich sehr überraschten – abgesehen von der unglaublichen und modernen Infrastruktur. Sie benutzen Ökoenergie wie Solarenergie und Geothermalenergie. Es ist eine Nation, die in den 50ern von den US-amerikanischen und südkoreanischen Streitkräften bombardiert wurde, wobei Pjöngjang fast völlig zerstört wurde samt eines großen Teils von Nordkorea selbst … Dann wurden sie mit Sanktionen belegt, was ihnen den Wiederaufbau sehr erschwerte. Dennoch taten sie es, kontinuierlich trotz Sanktionen, kontinuierlich trotz Drohungen seitens der USA, und das, was wir zu sehen bekamen, waren nicht nur eindrucksvolle Gebäude und Wohnblöcke, sondern zum Beispiel auch ein wissenschaftlich technisches Zentrum, das über 3.000 Computer hat und mit Solarstrom betrieben wird. Auf dem Dach wachsen Pflanzen und jede Art wunderbarster Spitzentechnologie ist dort zu finden. All das ist zugänglich für die Öffentlichkeit. Auch haben sie ein Fernstudien-Programm für Leute, die auf dem Land wohnen oder für Menschen, die arbeiten. Und wenn sie dieses Programm abgeschlossen haben, können sie ein Zertifikat oder Diplom erwerben, genauso als wären sie auf die Universität gegangen. Also, es gibt dort kostenlose Ausbildung, kostenlose Gesundheitsfürsorge, ähnlich wie in Syrien. Andere Dinge, die mich überraschten: Wir fuhren in Pjöngjang mit der U-Bahn, die sich, glaube ich, über 100 Meter unter der Erde befindet. Es war sehr geschäftig dort, sie ist sehr billig. Ich glaube, eine Fahrt kostet fünf US-Cents, und es ist eine beeindruckende U-Bahn. Die Wände sind aus Marmor. Sie haben diese unglaublichen Wandmalereien an verschiedenen Stationen, welche unterschiedliche Dinge darstellen. Aber die Hauptsache ist, wie zugänglich es für die Leute ist, wie günstig. Ich meine, die Züge sind zwar alt, funktionieren aber gut. Andere Dinge: Zum Beispiel gingen wir zu einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, und vor den Gebäuden waren identische Häuserkomplexe gebaut. Wir konnten in ein Haus hineingehen und trafen uns mit einer Frau, die dort lebte. Es war sehr schön, alle Häuser sahen identisch aus, vielleicht mit ein paar kleinen Unterschieden innen. Aber vor dem Gebäudekomplex gab es nur Ackerland, und sie hatten Zugang zu einem Kulturzentrum und einer kostenlosen Kindertagesstätte. Sie konnten verschiedene Dinge tun in dem Kulturzentrum, und die Häuser sind kostenlos. Sie arbeiten bei landwirtschaftlichen Genossenschaften als Gegenleistung zu den kostenfreien Häusern. Also nicht sklavenmäßig. Sie bauen auf ihrem Grundstück Nahrungsmittel an, die sie behalten dürfen. Das sind nur ein paar der Dinge. Was mich überraschte, und was ich nicht erwartet hätte: Ich sah Vergnügungsparks in Nordkorea. Das mag jetzt eher unbedeutend sein, aber wir gingen in einen hinein, und er war voller Kinder. Aber auch Erwachsene waren dort, die anstanden um mit den Fahrgeschäften zu fahren. Diese waren sehr beeindruckend. Ich fuhr auch mit einigen – sehr beeindruckend – und ich weiß, das ist nicht das Hauptthema, aber es ist ein Teil der Infrastruktur, für die Öffentlichkeit gemacht. Uns hier wird weisgemacht, dass die Leute dort in Furcht leben, farblose Kleidung tragen, keinen Zugang zur Technologie haben und in der Dunkelheit leben. Aber in Wahrheit haben sie Zugang zu all diesen Dingen, die ich erwähnt habe. Auch Zoos und andere öffentliche Bereiche, die sehr kostengünstig sind, gibt es dort. Ich unterhielt mich mithilfe eines Übersetzers mit einigen Kindern im Park und auch im Zoo, die vorher schon viele Male dort gewesen waren. Wir sahen junge Kinder dort auf Schulausflügen, genauso wie wir als Kinder Schulausflüge in den Zoo gemacht haben. Also, es passiert eine Menge mehr in Nordkorea als allein, was den Führer betrifft. Alles, was wir über die Nachrichten hören, sind Dinge über den Führer, der zu einer comichaften Figur geworden ist, genauso wie die Nachrichten und all diese NGO-Menschenrechtsorganisationen Bashar al-Assad zu einer comichaften Figur gemacht haben und dabei die Gesellschaft und die ganzen Aspekte des Lebens in Syrien negiert haben. Da bestehen so viele Parallelen zwischen dem, was in Nordkorea passiert und dem, wie die Medien Syrien dargestellt haben. [Interviewer:] Danke, Eva. Im Westen, denke ich, interessiert es die Leute, wie das Leben in der Demokratischen Volksrepublik Nordkoreas aussieht, als ein westlicher Besucher ... Zum Beispiel wie ist der Internetzugang dort, wie ist es mit den Medien, gibt es öffentliches Fernsehen wie in den USA oder Großbritannien. Wie war die Erfahrung, verbunden zu sein mit der Art des digitalen Umfelds dort? [Eva Bartlett:] Gut, ich meine, es muss gesagt werden, dass sie dort keinen Internetzugang haben. Aber ich denke nicht, dass es unsere Aufgabe ist, das zu beurteilen, wenn man berücksichtigt, dass sich Nordkorea seit den Fünfzigern – und schon früher – im Fadenkreuz der USA befindet. Tatsächlich ist es ihre Befugnis, ihr Vorrecht der Informationskontrolle – oder wie man es auch immer formulieren möchte. Aber der Punkt ist, dass sie eine gute Lebensqualität haben von dem her, was ich gesehen habe. Und ich gebe nicht vor, eine Expertin zu sein, noch habe ich das ganze Land durchquert. Aber wir sind aus Pjöngjan herausgekommen und reisten über 100 Kilometer, sodass wir ländliche Gegenden gesehen haben, und die Infrastruktur war gut in den ländlichen Gegenden. Ich denke, es ist ein Problem, wenn westliche Leute die Menschen in Nordkorea kritisieren – abgesehen von der comichaften Rhetorik um den Führer herum, fixieren sie sich auf Dinge wie der fehlende Internetzugang. Doch ich denke, es gibt da gute Gründe, warum das möglicherweise kontrolliert wird, und ich weiß, wie einige Leute das wiederum färben. Aber was ich sagen wollte: Seit den 80ern und auch zuvor, gibt es Elemente der Spionage in Syrien, und schauen Sie sich die sozialen Medien in Syrien an. Schauen Sie sich die Leute an, die die sogenannte Revolution in Syrien unterstützt haben und wie sie Sachen hochladen können und soziale Medienexperten, Experten oder namenlose Aktivisten werden können. Zum Glück haben wir dieses Phänomen in Nordkorea nicht, denn falls es so wäre, würde da noch viel mehr Verwirrung und sehr gefährliche Falschinformation hinzukommen. Also, zu Ihren Fragen: Fernsehen, ja, zum Beispiel in dem Haus der landwirtschaftlichen Genossenschaft, in das ich hineingegangen war, hatte die Frau einen großen Flachbildfernseher. Wiederum, ich weiß nicht, ob das in all den Häusern der Fall ist, aber auf jeden Fall gibt es riesige Fernsehschirme auf öffentlichen Plätzen. Sie werden wohl keine westlichen Medien verbreiten… Nochmals, es ist ihr Vorrecht, die Art von Information zu teilen, die sie wollen. Aber ich denke, wenn wir jetzt das größere Bild anschauen, sollten wir uns viel eher Sorgen machen um die Militärübungen, die sich so harmlos anhören. Militärübungen, Kriegsmanöver, die alle zwei Jahre durchgeführt werden, die quasi einen simulierten Angriff auf das Land darstellen. Diese führen sie schon seit Jahrzehnten durch, und als ich dort war, lief die Übung gerade. Ich habe es natürlich nicht selbst gesehen, habe es aber mitbekommen, dass es - ich glaube am 21. August begann und ungefähr einen Monat dauerte. Es sind nicht nur südkoreanische und US-Streitkräfte. Es handelt sich ebenso um australische, kanadische und andere Streitkräfte, sodass sich die Nordkoreaner jedes Mal fühlen, wenn diese Übungen stattfinden, als wäre es ein Angriff. In der Tat habe ich eine Aussage von einigen Akademikern, mit denen wir uns trafen, Akademiker – ich habe ihre Titel vergessen – jedenfalls, da ist ein Mann, der sagt, dass die USA für die Teilung der Koreanischen Halbinsel verantwortlich ist und ihrer nationalen Wiedervereinigung im Wege steht: „Sie behindern die Entwicklung unserer Wiedervereinigung und haben unserem Land einen großen Verlust zugefügt.“ Später fuhren sie (die Akademiker) fort: Wenn die kerntechnischen Anlagen in Südkorea abgeschafft würden … – denn dort befinden sich kerntechnische Anlagen, welche die USA leugnen, aber es gibt einen Grund warum Nordkorea Abschreckungskraft braucht – …, sie sagen, wenn diese aus den umliegenden Regionen Südkoreas abgeschafft würden und all diese Militärübungen beendet würden, dann gäbe es günstige Voraussetzungen zum Dialog. Jemand von euch hat Nikki Haley zitiert und weitere führende westliche Redner, die von Dialog sprechen. Doch wann hat die USA ehrlicherweise auf irgendeinen Dialog mit Nordkorea hingearbeitet? Sie haben gegen den Waffenstillstand verstoßen, und wenn sie tatsächlich dem Waffenstillstand zustimmen würden und ihre Streitkräfte und Waffen abziehen würden, dann könnte dort tatsächlich Frieden sein. Doch wir wissen, dass sie nicht an Frieden und Stabilität auf der Koreanischen Halbinsel interessiert sind. [Interviewer:] Gut, das führt mich zu einer meiner letzten Fragen, die ich hinsichtlich des Nord-Süd-Dialogs stellen wollte. Wir begegneten Hinweisen auf eine Willigkeit Südkoreas zur Möglichkeit einer Art von Friedensprozess. Da wird sogar von Wiedervereinigung zwischen dem Norden und Süden geredet. Von deinem Blickwinkel her gesehen - sowohl während der Reise als auch rückwirkend – gibt es da einen gangbaren Weg hin zu einer Friedensbewegung oder so etwas wie einen Dialog zwischen Nord und Süd? Hast du etwas entdeckt, was machbar scheint oder darauf hinarbeiten würde auf dieses Ziel hin? [Eva Bartlett:] Ich denke, der Wille ist da. Amerika ist immer das Hindernis. Mir wurde erzählt, dass in den Jahren etwa zwischen 2000 und 2007 – ich sah tatsächlich Fotos, mir wurde erzählt, dass da Sitzungen zwischen Führern von Nord und Süd stattfanden, und als wir uns in Panmunjeom in der entmilitarisierten Zone aufhielten, in einer ihrer Fotoausstellungshallen, da sahen wir Fotos mit nord- und südkoreanischen Führungskräften, die sich im Norden trafen, um Dialog zu führen und die Wiedervereinigung zu diskutieren. Aber es zerfiel wieder wegen der Intervention oder Einmischung der USA. Ich denke, unter den Leuten, und – ich weiß nicht, ob sie das wissen, aber ich habe vor 15 Jahren in Südkorea gelebt. Ich gab dort Englischunterricht, um meine Schulden bei der Universität zurückzubezahlen. Ich war nicht sehr politisch, aber ich erinnere mich, dass es in Südkorea Demonstrationen gegen die Präsenz der US-Armee in Südkorea gab, gegen die US-Einmischung. So denke ich, gibt es auf beiden Seiten möglicherweise fehlgeleitete Personen, aber es ist eine Nation. Sie wurde vom Westen geteilt und als ich dort war, habe ich Dinge bemerkt, und es traf mich, es ist dieselbe Kultur. Es hat eine andersartige Regierung im Norden, aber es ist dieselbe Kultur. Ich erinnere mich, als ich im Süden war, dass Leute im Süden Familienangehörige im Norden hatten und umgekehrt, und ich denke, ich würde sagen, dort ist ein Wille zur Vereinigung vorhanden. Aber wie wird das passieren, wenn die USA keinen Wunsch nach Frieden hat, dort in dieser Nation, dieser Region? Ich weiß nicht. [Interviewer:] Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, den Eva gerade angesprochen hat, nämlich, dass die ganze USA – das was ich die RIMPAC (ein zweijährlich abgehaltenes multinationales Militärmanöver um Honolulu, Hawaii.)-Agenda nenne, auf feindlichen Beziehungen mit Nordkorea basiert. Damit wurden in der Nachkriegszeit vor allem die US-Anlagen im Pazifik gerechtfertigt – von Okinawa bis zu den Philippinen und bis ganz nach unten zum Südchinesischen Meer und Neuseeland sowie Australien – also große Militäroperationen und -präsenz auch dort. So basiert alles im Moment auf schlechten Beziehungen mit Nordkorea. Gibt es da irgendeine Chance für Frieden zwischen Nord und Süd bei solch einer Macht, die komplett alles einkesselt und das Gespräch erstickt? [2. Interviewer:] Ja, also da wollen wir gerade den Artikel erwähnen, den du gestern auf 21st Century Wire gepostet hast: „Trump stellt erneut die Neocon-Falle: Nordkoreas Test ist keine Kriegshandlung“. Wolltest du, dass ich diesen kleinen Namen hier hervorhebe? [1. Interviewer:] Ja, Eva hat das nur kurz gestreift, die Existenz nuklearer Waffen im Süden wird zu Spannungen auf der Halbinsel führen und dies wird den Norden zu Abschreckungsmethoden treiben. Nordkorea ist weit davon entfernt, die Fähigkeiten für funktionstüchtige Interkontinentalraketen zu haben, und es sieht so aus, als ob die westlichen Medien und politischen Kräfte nur allzu willens sind, die Aussagen der Staatsmedien und Pjöngjangs sogar zu verstärken und in manchen Fällen Forderungen und Taten, die im Norden gemacht wurden, erneut zu übertreiben. Es scheint, dass Washington sehr froh ist, wenn die Spannung eskaliert – freiwillig die Spannung eskalieren zu lassen, und da stehen wir jetzt. Ich will jetzt zurück an Eva geben. Was sind eigentlich deine Kommentare zu dieser Situation? [Eva Bartlett:] Was ich noch hinzufügen wollte ist: Es ist interessant, dass das nordkoreanische Volk, die Menschen, die ich traf – seien es Lehrer oder im Kinderkrankenhaus, das wir besuchten oder sogar Schüler selbst. Wir besuchten eine Reihe Schulen, einschließlich einer Mittelschule, und ich empfand, dass die Leute über ihre eigene Geschichte und die Geschichte der US-Einmischungen sehr gut informiert waren – wie man das ja auch erwarten würde. Aber die andere Sache war, dass sie nicht eingeschüchtert, sondern mit Würde umhergingen und ganz grundsätzlich sagten, dass sie Frieden wollen. Es ist etwa wie in Syrien, wie in Palästina: Sie unterscheiden zwischen der Regierungspolitik und dem amerikanischen Volk. Sie haben kein Problem mit dem amerikanischen Volk, und zumindest die, die ich traf, sagten:„Schau, wir sind zum Frieden bereit und waren immer zum Frieden bereit; aber wir werden nicht um Frieden betteln.“ Und das muss man respektieren. Ich meine, sie sind durch die Hölle gegangen, sie wurden zerstört. Wenn man nur daran denkt … die USA mit all ihrer Heuchelei! Ihr habt das Bombardement Khan Shaykhun erwähnt, und natürlich viele andere US-Angriffe auf syrischem, souveränen Boden – syrische Soldaten und Zivilisten. Aber als sie Nordkorea bombardierten, benutzten sie chemische und biologische Waffen. Die zerstörten die Infrastruktur, und ich glaube– die Anzahl mag verkehrt sein, aber mir wurde erzählt, dass über 4 Millionen Koreaner in diesem Krieg ihr Leben ließen. Nur in den 50er Jahren alleine…! Als wir in der entmilitarisierten Zone waren, sahen wir all die fotografischen Beweise der Verletzungen der Waffenruhe, und wir besuchten ein Kriegsmuseum und sahen tatsächlich dieses „USS Pueblo“ Spionageboot, welches durch die Nordkoreaner gefasst wurde. Die USA stritt natürlich die Spionage ab, aber die Mannschaft an Bord sagte, dass sie spioniert hatte. Und ich erzähle dies, weil zu der Zeit, als die Mannschaft sagte, wir arbeiten tatsächlich für den Geheimdienst, der damalige Präsident – sein Name ist mir entfallen – Nordkorea hart kritisierte. Geradeso wie heute, und sie sagten, es sei alles Nordkoreas Schuld, Provokationen von Seiten Nordkoreas. Nun gut, sie befanden sich in nordkoreanischen Gewässern und spionierten, und dieses ist eines von vielen Vorkommnissen. Also der Wille kommt, so wie ich es erlebte. Er ist beim nordkoreanischen Volk vorhanden, aber nicht seitens Amerika. [Interviewer:] Vielen Dank, Eva.

von dd.


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