~ Medienkommentar vom 19.10.2017 ~

Medienkommentar Justiz & Gesetze

Ermordete Journalistin: „Überall sind Gauner“ (1 von 1)

Die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizias schrieb auf Facebook: „Überall, wo du jetzt hinschaust, sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos.“ Eine halbe Stunde später ist sie tot – ermordet in ihrem explodierenden Auto! Wurde die investigativeste und „beste“ Journalistin Maltas bisher von den Leitmedien kaum beachtet, so berichten sie jetzt plötzlich geschlossen und detailliert über den erbitterten Kampf Galizias gegen Korruption und organisierte Kriminalität in ihrem Land. Europäische Politiker verurteilen diese Ermordung aufs Schärfste – aber … haben sie wirklich selber nichts zu verbergen oder durch die Enthüllungen zu befürchten?

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"Ermordete Journalistin: „Überall sind Gauner“"

Ermordete Journalistin: „Überall sind Gauner“ 19.10.2017

„Daphne Caruana Galizia ist tot. Nach mehreren Morddrohungen starb sie in ihrem explodierenden Auto. Daphne Caruana Galizia wurde 53 Jahre alt. Sie lebte und arbeitete in Malta. Ihr Bemühen, zur Aufklärung von Korruption, Steuerhinterziehung und Geldwäsche beizutragen, wurde ihr zum Verhängnis. Ihre Informationen hätten hochrangige Mitglieder der maltesischen Regierung in Schwierigkeiten bringen können. Malta ist Mitgliedsstaat der Europäischen Union.“ So lautete eine Art Todesanzeige, die am 17. Oktober 2017 auf dem Internetportal des EWK-Verlags GMBH von Egon W. Kreutzer erschien. Matthew Xuereb, der die Nachrichtenredaktion der Lokalzeitung „Times of Malta“ leitet und Daphne Caruana Galizia persönlich kannte, beschrieb sie wie folgt: „Sie war eine der besten Journalistinnen, die Malta je hatte. Sie war eine der investigativsten Journalistinnen und verfügte über sehr viele Quellen. Die Leute steckten ihr allerlei Informationen zu. Außerdem hatte sie eine große Intuition - also das, was gute Journalisten ausmacht.“ Die allermeisten werden in diesen Tagen das erste Mal von dieser investigativsten (genaueste Untersuchungen durchführenden) Journalistin gehört haben. Bislang wurde ihrer Arbeit von den etablierten Medien und europäischen Politikern kaum Beachtung geschenkt. Erst seit ihrer tragischen Ermordung berichten westliche Leitmedien geschlossen über den erbitterten Kampf der Journalistin gegen die Korruption in ihrem Land. Z.B. schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) am 17. Oktober, dass Caruana Galizia durch ihren Blog richtig bekannt wurde, auf dem sie korrupte Politiker und Unternehmer, aber auch Richterinnen, Polizeichefs und Journalisten ins Visier nahm, die sich bestechen ließen. Dabei wurde niemand verschont, weder Regierungspartei noch Oppositionsführer – selbst vor der organisierten Kriminalität schreckte sie nicht zurück. Zudem deckte sie auch auf, dass Malta innerhalb der EU als illegales Steuerparadies fungierte, so die NZZ. Der Schweizer „Tages-Anzeiger“ führte die Enthüllungen Caruana Galizias detailliert auf, wie zentrale Mitarbeiter von Maltas Premierminister Joseph Muscat unlautere Finanzoperationen getätigt oder an den Steuerbehörden vorbei Offshore-Konten in Panama und Trusts in Neuseeland eröffnet hatten. Auch europäische Politiker standen den Leitmedien in nichts nach und verurteilten die Ermordung aufs Schärfste: – Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat sprach von einem „schwarzen Tag für unsere Demokratie und unsere Meinungsfreiheit“. – Brüssels Chefsprecher ließ verlauten, dass „Präsident Jean-Claude Juncker und die EU-Kommission diesen Anschlag mit den schärfstmöglichen Worten verurteilen.“ – Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen und der EFA-Fraktion im EU-Parlament, zeigte sich schockiert über den Tod von Daphne Caruana Galizia und fügte an: „Solche Vorfälle erinnern an Putins Russland, nicht an die Europäische Union.“ Aber genau den sich nun schockiert stellenden maltesischen Regierungschef Joseph Muscat hatte die ermordete Journalistin im Visier. Und über den scheinbar ebenfalls geschockten Jean-Claude Juncker ist bekannt, wie ein internationales Rechercheteam unter dem Namen „Luxemburg-Leaks“ im November 2014 aufdeckte, dass Luxemburg in der Amtszeit von Jean-Claude Juncker als Finanzminister (1989-2009) und als Premierminister (1995-2013) Steuerabkommen zwischen mehr als 340 internationalen Konzernen und Luxemburg abschloss. Dadurch wurden Milliarden von Steuergeldern an den Steuerbehörden vorbeigeschleust. Und vor allem: Caruana Galizia ging es in keiner Weise um Russland, sondern um tiefst verstrickte kriminelle Zustände inmitten der EU! [www.kla.tv/8003] Noch eine halbe Stunde vor der Explosion der Autobombe ließ Caruana Galizia in ihrem Blog folgenden verzweifelten Schrei von sich: „Überall, wo du jetzt hinschaust, sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos.“ Ihr Sohn Matthew, der ebenfalls als investigativer Journalist tätig ist, schrieb auf Facebook: „Meine Mutter wurde ermordet, weil sie zwischen dem Rechtsstaat und jenen stand, die ihn verletzen wollen.“ Weiter schrieb Matthew, dass unter dieser Regierung „eine Kultur der Straflosigkeit“ herrsche, welche die grausame Tat überhaupt erst ermöglicht habe. Matthew brachte es wie folgt auf den Punkt: „Alle bezeichnen den Anschlag auf meine Mutter nun als Angriff auf die Pressefreiheit, doch eine solche Freiheit hat es gar nie gegeben.“ Wenn europäische Politiker und Pressestellen die Arbeit der zuvor totgeschwiegenen Journalistin plötzlich so auffällig würdigen und dabei vehement auf Malta und Russland zeigen, könnte das nicht ein Indiz dafür sein, wie sehr genau die mutige Journalistin den Nerv der europäischen Kriminalität getroffen hat? Genau diese Spur gilt es daher weiter scharf zu beobachten.

von d.d.


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