~ Medienkommentar vom 18.06.2017 ~

Interview mit Ernst Wolff zu den Terroranschlägen in Manchester/London (1 von 1)

In Großbritannien führen drei aufeinander folgende Attentate innerhalb kurzer Zeit zu einer zunehmenden Beunruhigung der Bevölkerung. Jedes Mal kamen die Attentäter dabei ums Leben, jedes Mal bekannte sich der IS zum Anschlag. Doch können die Anschläge wirklich zweifelsfrei auf den IS zurückgeführt werden? Ernst Wolff sieht da ganz andere Zusammenhänge. In einem Interview mit Kla.TV erklärt der Finanz- und Politikexperte, woher aus seiner Sicht die wirkliche Gefährdung unserer Gesellschaft kommt und was man dagegen unternehmen kann.

Direktlink zu dieser Sendung:
Direktlink zu dieser Abspielposition:
Sendung auf eigener Internetseite einbinden
"Interview mit Ernst Wolff zu den Terroranschlägen in Manchester/London"

Interview mit Ernst Wolff zu den Terroranschlägen in Manchester/London 18.06.2017

Am 23. Mai 2017 tötete laut Presseangaben ein Selbstmordattentäter bei einem Sprengstoffanschlag in Manchester mindestens 22 Menschen. Die Explosion ereignete sich im Foyer nach einem Konzert der US-amerikanischen Pop-Sängerin Ariana Grande. Die Polizei hätte einen 22-jährigen Briten libyscher Abstammung als Täter identifiziert und ermittle nach weiteren Mittätern. Der Propagandasprecher der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) beanspruchte den Anschlag für sich, was jedoch von den Behörden nicht bestätigt wurde. Einige IS-Bekenntnisse haben sich in der Vergangenheit als falsch erwiesen. Nur zehn Tage später, am 3. Juni, rasten drei Attentäter mit einem gemieteten Kleintransporter in Fußgänger auf der London Bridge im Zentrum von London. Danach griffen die drei Täter ihre Opfer mit Messern an. Sieben Passanten kamen ums Leben. Mindestens 48 weitere Personen wurden verletzt – einige von ihnen schwer. Die drei Männer trugen Westen mit Behältern, die aussahen, als würden sie Sprengstoff enthalten. Es waren Attrappen, wie sich herausstellte. Den Ermittlungen zufolge hätten acht Beamte 50 Schüsse auf die drei Angreifer abgegeben. Acht Minuten, nachdem der erste Notruf einging, waren alle drei tot. Wiederum beanspruchte der IS den Anschlag für sich. Die Echtheit des Schreibens sei jedoch unklar. In diesem Zusammenhang ebenfalls zu erwähnen ist das Attentat vom 22. März 2017 in London. Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem gemieteten Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke, fuhr einige hundert Meter weiter und krachte in den Zaun des Parlamentsgebäudes. Danach sprang er aus dem Wagen und lief auf das Gelände des Parlaments zu. Dort stach er einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen. Mindestens fünf Menschen sind infolge des Anschlags getötet worden, 40 wurden verletzt, teils schwer. Auch diesen Terroranschlag beanspruchte der Propagandasprecher der IS für sich. Ob der Attentäter tatsächlich in Verbindung zur Terrormiliz stand, ist jedoch offen. In etwas mehr als zwei Monaten kam es also zu drei Terroranschlägen in Großbritannien. Jedesmal kamen die Attentäter dabei ums Leben, jedesmal bekannte sich der IS zum Anschlag. Doch warum genau Großbritannien, warum zu diesem Zeitpunkt und wem nützen diese Anschläge wirklich, um die altbekannte Frage zu stellen, die aus Kriminalistik, politischer Analyse und Geschichtswissenschaft nicht mehr wegzudenken ist. Können die Anschläge wirklich zweifelsfrei auf den IS abgeschoben werden, oder könnten gar andere Zusammenhänge dahinterstecken? Um genau solchen Fragen auf die Spur zu kommen, hat sich der deutsche Finanz- und Politikexperte Ernst Wolff bereit erklärt, seine Einschätzung für Klagemauer.TV abzugeben. Es freut mich nun, Ernst Wolff per Skype begrüßen zu dürfen. (1.) Guten Tag Herr Wolff. Sagen Sie doch zuerst etwas über Ihre Person, wie Sie dazugekommen sind, sich mit den größeren Zusammenhängen der Weltpolitik auseinanderzusetzen? (Ernst Wolff:) Ja, ich bin 1950 geboren, d.h. ich war 1968, als die grossen Umwälzungen in Europa stattfanden, 18 Jahre alt und Student. Also ich bin auf die Art und Weise praktisch ins kalte Wasser geworfen worden, habe mich damals ganz intensiv mit Politik auseinandergesetzt und schnell festgestellt, dass die Politik weitgehend von der Wirtschaft bestimmt wird. Und dieses Wechselspiel zwischen Wirtschaft, das heisst heute Finanzwirtschaft, und Politik hat mich die letzten 45 Jahre meines Lebens begleitet und interessiert. (2.) Nun haben wir eine zunehmende Beunruhigung der Bevölkerung durch immer neue Berichte von IS-Anschlägen in europäischen Ländern – quasi direkt vor der eigenen Haustür, so z.B. in Paris oder auf dem Berliner Weihnachtsmarkt, nun zuletzt auch in London. Halten Sie die Darstellung der Anschläge durch die etablierten Medien für authentisch? Gibt es Parallelen bzw. Auffälligkeiten? (Ernst Wolff:) Ich halte die Darstellung durch die Mainstreammedien nicht für authentisch. Und zwar aus einem ganz einfachen Grunde: Die Mainstreammedien befinden sich in der Hand von grossen Investoren und diese grossen Investoren haben nicht nur an den Medien grosses Interesse, sondern auch an anderen Teilen der Wirtschaft, wie zum Beispiel der Rüstungsindustrie. Die Investoren investieren also auch in Waffen und in Waffenlieferungen in Krisengebieten dieser Welt. Und da sind wir beim Punkt. Die Terrororganisatoren dieser Welt würden nicht bestehen, wenn es keine Kriege auf der Welt gäbe. Die Kriege sind das Fundament und der Nährboden für die gesamten Terrororganisationen, ob das nun die ISIS ist, ob das die Taliban sind, oder ob das Al Kaida ist. Die gleichen Leute, die diese Kriege finanzieren, finanzieren wiederum die Medien. Das heisst, sie berichten aus ihrer eigenen Warte. Und deswegen erhalten wir kein authentisches Bild. Was die Auffälligkeiten anbetrifft, so muss ich sagen, also was mir aufgefallen ist bei allen Anschlägen, auch die in Südfrankreich, Nordfrankreich, Belgien, in Deutschland und England passiert sind. In allen Fällen hat sich die Polizei nicht einmal bemüht, einen Täter lebend zu fassen und das deutet für mich darauf hin, dass hier irgendetwas verschwiegen werden soll. (3.) Auf jeden Anschlag folgte eine unmittelbare Reaktion seitens der Politik? Bilden diese Reaktionen eine Kette, eine Stoßrichtung, dass man sagen könnte: Ja - jeder Knall sprengt den Tunnel ein Stück tiefer in den Berg? Das ein wenig bildlich ausgedrückt… (Ernst Wolff:) Die Politik benutzt diese Anschläge und zwar sie benutzt sie, um den Sicherheitsapparat auszubauen, um die Polizei aufzurüsten, um das Militär aufzurüsten, um die Kontrolle der Bürger zu verschärfen. Also all diese orwellschen Horrorvisionen werden zurzeit durchgesetzt. Aber sie benutzt dabei den Terrorismus nur als Vorwand, weil die wirkliche Gefahr für unsere Gesellschaft ist nicht der Terrorismus, das ist nur eine geringe Gefahr, die auch mehr oder weniger selbst erzeugt ist. Die wirkliche Gefahr unserer Gesellschaft erfolgt durch den Finanzsektor, durch Grossbanken, durch Hedgefonds, durch Investmentfirmen. Diese Politik des grossen Geldes führt dazu, dass die soziale Ungleichheit in der Welt tagtäglich weiter wächst. Also vor drei Jahren besassen 85 Menschen auf der Welt so viel wie die Hälfte der Menschheit. Vor zwei Jahren waren es noch 62. Im letzten Jahr waren es nur noch 8 Menschen. Diese Explosion der sozialen Ungleichheit ist der Nährboden auf dem der Terrorismus wächst und diese soziale Ungleichheit wird herbeigeführt durch die Finanzindustrie und niemanden anders. (4.) Christoph Hörstel prägte den Begriff Terrormanagement, wenn es um Terroranschläge in Europa geht. Inwiefern und auf welches Ziel hin werden Terroranschläge aus Ihrer Sicht von den Regierungen und Geheimdiensten „gemanagt“ bzw. instrumentalisiert? (Ernst Wolff:) Ich habe nicht den Einblick, den einige andere Journalisten haben. Aber ich habe vor einiger Zeit mit Andreas von Bülow, dem ehemaligen Koordinator des Geheimdienstes unter Helmut Schmidt gesprochen und der hat es salopp so formuliert:“ Wir haben es hier mit betreuten Bomben zu tun.“ Es ist tatsächlich so, dass die Geheimdienste offensichtlich beide Augen verschliessen, wenn es um die Vorbereitung dieser Attentate geht. Das lässt einen wirklich vermuten, dass diese Attentate von oben her instrumentalisiert werden. Der Hintergrund dafür ist der, dass das Weltfinanzsystem, also das ganze Finanzgefüge der Welt ist 1998 einmal kurz vor dem Zusammenbruch gewesen, ist 2008 erneut vor dem Zusammenbruch gewesen und wir befinden uns zurzeit auf dem Weg in den nächsten ganz grossen Crash. Beim ersten Crash haben einige „Wall Street“ Banker das System retten können, beim zweiten Crash sind die Staaten eingesprungen und haben das Finanzsystem gerettet. Beim nächsten Crash stellt sich die Frage: Wer rettet das Finanzsystem dann? Wir stehen vor ganz grossen Umwälzungen in der Welt und diese Umwälzungen werden damit einhergehen, dass den Leuten die Rechte, die demokratischen Rechte immer mehr abgebaut werden und dass gleichzeitig das Einkommen der arbeitenden Menschen immer weiter beschnitten wird. Das heisst, wir stehen vor grossen sozialen Umwälzungen. Und um sich auf diese Umwälzungen vorzubereiten, also die Polizei aufzurüsten, das Militär aufzurüsten, die demokratischen Rechte abzubauen usw., wird der Terrorismus als Vorwand benutzt. (5a.) Zuletzt noch die Frage: Was kann dagegen unternommen werden? (Ernst Wolff:) Was dagegen unternommen werden kann, ist ganz einfach. Man muss von den Politikern verlangen, die Kriege in der Welt zu beenden und die Waffenlieferungen in Kriegsgebiete zu beenden und man muss von ihnen verlangen, dass die 0,01 % nicht ständig reicher und der gesamte Rest der Menschen ständig ärmer werden. Das ist der Nährboden, auf dem der Terrorismus gedeihen kann. Wenn die Welt kriegsfrei wird und wenn die Welt sozial etwas gerechter wird und nicht mehr so ungerecht ist wie sie jetzt ist, dann fällt der Nährboden für den Terrorismus weg. Dann werden Organisationen wie ISIS, Al Kaida oder Al Nusra oder wie die alle heissen – die Taliban – von ganz alleine verschwinden. (5b.) Was würden Sie zu einem großen Teil der westlichen Bevölkerung sagen, die sich von den Terroranschlägen instrumentalisieren lässt, damit sie dieses Spiel nicht mehr mitmacht? (Ernst Wolff:) Ich würde denen sagen, dass es falsch ist, die Flüchtlinge und Migranten dafür verantwortlich zu machen – für diese ganzen schrecklichen Verbrechen, die da passieren. Ich würde sagen, man muss unbedingt das grosse Ganze betrachten, man darf nicht auf den einzelnen Terroranschlag schauen. Man muss das Ganze in ein Gesamtbild einordnen. Man muss den Verfall unserer Gesellschaften betrachten. Die Zerstörung der Gesellschaften erfolgt durch das Finanzsystem, durch die Finanzindustrie. Die soziale Ungleichheit wird durch die Finanzindustrie von Tag zu Tag stärker gefördert. Und diese Finanzindustrie fördert auch die Kriege. Die verdienen über die Finanzindustrie ja daran mörderische Summen an diesen Kriegen. Und wenn das nicht beendet wird, dann wird der Terror auch nicht gestoppt werden. Ich würde den Leuten sagen, dass sie sich auf keinen Fall in die Irre führen lassen sollen, von irgendwelchen Scharlatanen, die sagen – die behaupten, dass die Migranten oder Flüchtlinge schuld wären an diesem Terrorismus. Flüchtlinge sind selbst Opfer von dieser Politik der grossen Konzerne – und keine Täter. Herr Wolff, vielen herzlichen Dank für Ihre Einschätzungen und dass Sie sich hier die Zeit genommen haben – vielen Dank und ich hoffe bis bald …

von dd./ag.


Interview mit Ernst Wolff zu den Terroranschlägen in Manchester/London

Sendung und Zubehör in der gewünschten Qualität herunterladen:
Film-Datei (.mp4)
Bitte Downloadqualität auswählen





↑ Neuere anzeigen ↑
Medienkommentar
{{themeblock.title}}

↓ Ältere anzeigen ↓