Samstag 09. September 2017

Archiv-Sendung Gesundheit & Medizin

Organspende – ein Akt der Nächstenliebe? (2 von 2)

Syrien: Die „Ruchlosigkeit“ westlicher Medien Samstag, 09.09.2017 (1 von 2)
6:50
Organspende – ein Akt der Nächstenliebe? Mittwoch, 13.07.2016 (2 von 2)

Heute am 9.September 2017 findet der Europäische Organspendetag statt. Die Schweizerische Nationale Stiftung für Organspende „Swisstransplant“ und das Bundesamt für Gesundheit BAG luden dazu auf den Bundesplatz in Bern ein. Nicht nur Schweizer, auch Europäer seien bei Organspenden nach dem Tod sehr zurückhaltend. Deshalb wird Organspende oft als Akt der Nächstenliebe bezeichnet. Doch auch beim möglichen Organspender sollte das Prinzip der Nächstenliebe zur Anwendung kommen. Deshalb kommen in dieser Archivsendung Gegenstimmen zu Wort, damit Menschen die Möglichkeit haben, eine mündige Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen.

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"Organspende – ein Akt der Nächstenliebe?"
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Organspende – ein Akt der Nächstenliebe? 13.07.2016

Am Samstag, 4. Juni 2016 fand zum 35. Mal in Folge der jährliche „Tag der Organspende“ in Deutschland statt. In diesem Jahr warb die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml auf dem Marienplatz in München für die Organspende. Sie sagte: "Organspende ist eine besondere Form der Nächstenliebe.“ Bei Organspenden verhält es sich so, dass einige Organe, wie z.B. eine Niere oder ein Teil der Leber gespendet werden können und der Organspender lebt danach weiter. Nach der Spende von Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse lebt der Spender hingegen nicht mehr weiter. Die Geschichte der Organspende begann 1954, als es zum ersten Mal gelang, eine auch langfristig erfolgreiche Nierentransplantation zwischen eineiigen Zwillingen durchzuführen. Als begrenzendes Element bei Organtransplantationen zeigte sich im Verlauf die Abstoßung des fremden Organs durch das körpereigene Immunsystem. Dieses konnte nach weiterer Forschung ab den 1980er-Jahren mithilfe von Medikamenten unterdrückt werden. Seit dieser Zeit ist es möglich, Menschen, die zum Beispiel aufgrund eines Nieren- oder Leberversagens sterben müssten, durch die Transplantation eines fremden Organs, am Leben zu erhalten. Seit den Anfängen der Transplantationsmedizin gibt es einen chronischen Organmangel. Alleine in Deutschland warten ca. 12.000 Patienten auf ein Spenderorgan, viele davon jedoch vergebens. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation sterben jährlich 1.000 Menschen, die auf der Warteliste für ein Organ stehen. Dies ist einer der Gründe, warum die Organspende durch Werbung ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden soll. Allein im Jahre 2011 zahlte das Bundesministerium für Gesundheit 2,5 Millionen Euro für Organspende-Werbung. Dabei wird der Bevölkerung deutlich gemacht, dass durch die Organspende andere Leben verlängert werden können. Es scheint also auf den ersten Blick richtig und wichtig zu sein, immer mehr Menschen zu motivieren, aus Nächstenliebe ihre Organe zur Lebensverlängerung anderer zu spenden. Doch darf man im Gegenzug dann diejenigen Menschen, die nicht bereit sind, ihre Organe zu spenden, als egoistisch diskreditieren? Oder verfügen diese Gegner von Organspenden über ein tieferes Wissen der Hintergründe, das nicht an die breite Öffentlichkeit gelangt? Ein Wissen, ohne welches man keine echte Entscheidung für oder gegen eine Organspende treffen kann? Der Sachbuchautor Richard Fuchs hat zu den Hintergründen der Organtransplantation recherchiert. Hier zusammengefasst einige seiner Aussagen: „Jahrtausendelang wurde der Tod eines Menschen wie folgt festgelegt: Ein Mensch ist dann tot, wenn sein Herz und seine Atmung unwiderruflich zum Stillstand gekommen sind. Die Folge ist, der Körper erkaltet, Totenflecken zeigen sich und die Leichenstarre stellt sich ein. Um Organe transplantieren zu können, musste die Transplantationsmedizin den Zeitpunkt des Todes des Menschen neu definieren. Denn ein Herz oder eine Lunge können nur dann gespendet werden, wenn sie weiter durchblutet werden und bis zur Transplantation ihre Aufgabe im Körper erfüllen. 1968 wurde deshalb durch die Harvard Ad-hoc-Kommission der Tod des Menschen neu festgelegt. Es wurde der Begriff des Hirntods eingeführt. Dieser besagt: Ein Mensch ist dann tot, wenn sein Gehirn irreversibel zerstört ist.“ Soweit Richard Fuchs. Der Naturwissenschaftler und Hirnforscher Professor Dr. Roth sagt nun bereits seit Beginn der Organtransplantationen, dass der Hirntod des Menschen nicht mit seinem endgültigen Tod gleichgesetzt werden sollte. Denn laut Prof. Roth ist der Hirntod nicht eindeutig feststellbar. Ich zitiere: „Weder Atemstillstand noch Ausfall der tiefen Hirnstammreflexe (…) noch Ultraschall erfassen mit völliger Sicherheit alle Hirnfunktionen. Dies ist entgegen vieler Verlautbarungen der Fachwelt seit langem bekannt. Das Sicherste, was über einen bewusstlosen Patienten oder einen Komapatienten überhaupt festgestellt werden kann, ist [lediglich] die Vermutung, dass eine irreversible Schädigung des Hirnstammes beziehungsweise des Gesamthirns vorliegt und der Patient nicht mehr zu Bewusstsein kommen wird, gleichgültig ob noch Teile des Gehirns am Leben sind.“ Zum Ablauf der Organentnahme bei einem Organspender schreibt der Verein „Kritische Aufklärung über Organtransplantation“ Folgendes: „Der »Spender« wird an Armen und Beinen festgebunden, um Bewegungen zu verhindern. Beim Aufschneiden des Körpers vom Hals bis zur Schambeinfuge kommt es zu Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg. (…) Bei »normalen« Operationen werden diese Zeichen als Schmerzreaktionen gewertet. Nicht jedoch bei »Hirntoten«! Die Organe werden bei schlagendem Herzen freigelegt und für die Entnahme präpariert. Wichtig ist die Konservierung der Organe, das meint, sie haltbar zu machen. Dazu werden sie mit einer gekühlten Flüssigkeit durchspült. Beim Eindringen der kalten Flüssigkeit in den noch »lebenden« Körper, wird das Blut ausgeschwemmt. Es kann zu Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg oder auch Zuckungen kommen. Mit der Entnahme der Organe ist der »Hirntote« gestorben. Den Pflegekräften bleibt es am Ende oft allein überlassen, den Körper auszustopfen und die riesigen Wunden zu verschließen. Ein friedvolles und behütetes Sterben im Beisein von Angehörigen oder Freunden ist bei einer Organentnahme nicht möglich. Sterbebegleiter sind die Transplantationsmediziner.“ Zusammenfassend zeigt sich: Eine Organspende ist aus der Sicht des Organempfängers lebensverlängernd und ein Akt der Nächstenliebe. Doch auch beim möglichen Organspender sollte das Prinzip der Nächstenliebe zur Anwendung kommen. Dazu gehört, dass jeder mögliche Organspender bereits zu Lebzeiten über die verschiedenen Stimmen zur Hirntod-Diagnostik sowie über den Ablauf der Organentnahme im Operationssaal informiert werden sollte. Durch die Kenntnis der verschiedenen Argumente wird es so jedem Menschen ermöglicht, eine mündige Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen.

von ch.


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