Samstag 06. Januar 2018

Medienkommentar Terror

Proteste im Iran – Anzeichen einer Farbrevolution? (1 von 2)

Proteste im Iran – Anzeichen einer Farbrevolution? Samstag, 06.01.2018 (1 von 2)
8:30
Der US-amerikanische Krieg um Ressourcen - Teil 4 Iran Freitag, 31.07.2015 (2 von 2)

Könnte es sich bei den aktuellen Protestaktionen im Iran seit Ende Dezember 2017 wieder um eine „Farbrevolution“ handeln? Ähnlichkeiten mit der Ukraine und Libyen sind ersichtlich. Und welche Rolle spielen die Leitmedien? Nicht hinter jeder Protestaktion muss eine von außen gesteuerte Farbrevolution stehen. Doch können anhaltende Protestaktionen anhand der typischen Merkmale einer Farbrevolution beobachtet und bewertet werden. Mehr dazu in dieser Sendung.

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Proteste im Iran – Anzeichen einer Farbrevolution? 06.01.2018

Seit dem 28. Dezember 2017 finden in iranischen Großstädten anhaltende Protestaktionen und Gegenproteste statt. In der Sendung vom 4. Januar ließ Klagemauer.TV den Börsenexperten Dirk Müller zu Wort kommen. Laut seiner Einschätzung werde es hier wieder eine große Auseinandersetzung geben – mit den Saudis, Israel und den USA auf der einen Seite und dem Iran nahestehenden Ländern auf der anderen Seite. (www.kla.tv/11718) „Das geht hier um Strategie, es geht um große Themen und ganz bestimmt nicht um die Eierpreise im Iran“, so Dirk Müller. In dieser Sendung soll nun die Frage aufgeworfen werden, ob es sich im Iran um eine sogenannte „Farbrevolution“ handeln könnte. Farbrevolutionen haben ihren Namen daher, weil Studenten bei Protestaktionen mit Farbbeuteln auf symbolträchtige Bauten geworfen haben. (www.kla.tv/8403) Diese Bezeichnung wird für von außen gesteuerte Protestaktionen verwendet, die zu einem nicht immer gewaltfreien Regierungsumsturz führen sollen. Im aktuellen Fall zum Beispiel sagte der iranische Staatspräsident Hassan Rohani, die Proteste seien nicht nur auf interne Probleme des Landes, sondern auch auf Anstiftungen aus dem Ausland zurückzuführen. Zugegeben, es muss nicht hinter jeder Protestaktion eine von außen gesteuerte Farbrevolution stehen. Doch können anhaltende Protestaktionen anhand der typischen Merkmale einer Farbrevolution beobachtet und bewertet werden. Klagemauer fasste diese in folgenden Sendungen zusammen: „Wie funktionieren Farbrevolutionen? – Beispiel Armenien“ (www.kla.tv/8752) „Pulverfass Venezuela: Merkmale einer Farbrevolution“ (www.kla.tv/10808) Im Folgenden sollen einige Merkmale am aktuellen Beispiel des Iran etwas genauer betrachtet werden: 1. Die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation wird genutzt und ausgeweitet zu einer Protestaktion mit der Forderung nach dem Rücktritt des Präsidenten. Dies war u.a. in Syrien und Libyen 2011, in der Ukraine 2014 und ist in Venezuela bis heute der Fall. Im Iran ging es den Demonstranten zu Beginn vor allem um die schlechte wirtschaftliche Lage. Die Proteste zeigten dann aber immer stärker auch politischen Charakter und richteten sich auch direkt gegen den religiösen Führer Ajatollah Ali Chamenei, wie selbst die westlichen Massenmedien feststellten. 2. Alle Gesprächsangebote der Regierung werden von den Demonstranten zurückgewiesen. Der politische Kommentator der iranischen Nachrichtenagentur „Mehr News Agency“ sagte in einem Interview mit RT Deutsch, dass die berechtigten Forderungen der Demonstranten nach besseren Lebensbedingungen von allen Regierungsträgern respektiert wurden. Die Regierung setzte zur Beschwichtigung der Protestierenden die geplante Anhebung der Benzinpreise aus und stoppte vorerst auch die Pläne, direkte Geldzahlungen an Bedürftige auszusetzen. Es muss sich nun zeigen, ob es den Demonstrierenden wirklich um die Sache geht und sie mit sich reden lassen oder ob sie an einem Regierungs- bzw. Systemumsturz festhalten. 3. Ein Teil der Protestierenden wird geschult, die Sicherheitskräfte zu provozieren oder Protestierende werden mit gewaltbereiten Lohnterroristen unterwandert. Der Kommentator der „Mehr News Agency“ sagte dazu, dass die ersten Proteste friedliche Demonstrationen waren. Weiter sagte er wörtlich: „Allerdings wurde der legitime Protest durch eine Gruppe von Randalierern, die versuchten, die Proteste gewaltsam zu verdrehen, mehr oder weniger vereinnahmt. Deshalb hat sich die Öffentlichkeit von den gewalttätigen Aktionen im Grunde abgekoppelt.“ 4. Die westlichen Leitmedien ergreifen permanent Stellung für die Demonstranten und machen den amtierenden Präsidenten für den Unmut der Demonstranten und allfällige Gewaltakte verantwortlich. Medienberichten zufolge kamen bei den Unruhen bisher mindestens 21 Menschen ums Leben. In den westlichen Leitmedien wird der Eindruck erweckt, dass die Toten und Verletzten auf das Konto der Regierung gehen. Auf der anderen Seite redete der Kommentator der „Mehr News Agency“ von „verfälschten Nachrichten“ der Mainstreammedien. Die meisten Opfer seien von Demonstranten getötet worden, die bewaffnet waren oder diese durch Vandalismus getötet haben. Doch Medien würden Bilder von brutalen Vorfällen aus anderen Ländern senden und fälschlicherweise den Sicherheitskräften im Iran die Schuld daran geben. Liebe Zuschauer, seien Sie deshalb auf der Hut vor den voreiligen Verurteilungen durch die Medien. Betrachten Sie die weiteren Entwicklungen im Iran anhand der erwähnten Merkmale einer von außen gesteuerten Farbrevolution. Sehen Sie nun im Anschluss einen Auszug aus dem neuen Sendungsformat „Echokammer“ von RT Deutsch vom 5. Januar 2018. Darin werden die Aussagen des Kommentators der „Mehr News Agency“ sowie einige Merkmale einer Farbrevolution auf eindrückliche Weise bestätigt. Weiterführende Sendungen zum Thema: www.kla.tv/11718 Dirk Müller: „Es geht ganz bestimmt nicht um die Eierpreise im Iran“ www.kla.tv/8752 Wie funktionieren Farbrevolutionen? – Beispiel Armenien www.kla.tv/10808 Pulverfass Venezuela: Merkmale einer Farbrevolution (Kurzversion) www.kla.tv/8403 „Bunte Revolution“ in Mazedonien – zensierte Gegenstimmen RT Deutsch Sendung „Echokammer“ vom 5. Januar 2018 Iranproteste im Schatten der Geopolitik Moderator: Was also als friedliche Demos für wirtschaftlichen Fortschritt begann, eskalierte sehr schnell. Und die regierungskritischen Forderungen rückten medial in den Vordergrund. Und genau an dieser Schnittstelle – zwischen gesicherten Fakten und gezielter Spekulation – trennt sich ja bekanntlich die Spreu vom Weizen. Moderatorin: Absolut! Das ZDF berichtete am vergangenen Sonntag ganz allgemein über Massendemonstrationen gegen die iranische Regierung. ZDF: „Landesweite Proteste – Die iranische Regierung will hart gegen Demonstranten vorgehen. Zwei Menschen sterben.“ Moderatorin: Zwei Tage später musste das ZDF dann zurückrudern, weil das gezeigte Material aus dem Jahr 2009 stammte. ZDF: „Neben den Aufnahmen des Staatsfernsehens bleiben Journalisten häufig nur private Handyvideos im Netz. So wie diese Bilder, die auch wir gestern verwendet haben. Sie sollten aktuelle Übergriffe von Regierungseinheiten zeigen. Tatsächlich stammen sie schon aus dem Jahr 2009 und wurden jetzt erneut verbreitet.“ Moderator: Auch der stellvertretende Direktor der Organisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, war sich nicht zu schade, nach Ausbruch der Proteste Fake News zu verbreiten. Am 31. Dezember behauptete er, den Demonstranten ging es um den Rücktritt des geistlichen Führers Ajatollah Chamenei und benutzte dafür Bilder einer Demonstration FÜR das geistliche Oberhaupt. Moderator: Ja, apropos, es gab auch Pro-Regierungsdemonstrationen im Iran. Was sagen eigentlich die Menschen auf der Straße zu den Protesten? Schauen wir rein. Demonstranten: „Die Wirtschaftsreformen müssen weitergehen. Nieder mit Amerika und Israel!“ Moderator: Auch Trump ist höchstwahrscheinlich nicht des Farsi mächtig, hatte aber unmittelbar nach Ausbruch der Proteste Folgendes zu zwitschern: Donald Trump - gelesen von Moderator: „Trotz ihres furchtbaren Deals mit der Obamaregierung versagt der Iran auf allen Ebenen. Die großartigen Iraner wurden über viele Jahre unterdrückt. Sie hungern nach Nahrung und Freiheit. Neben den Menschenrechten wird der Iran seines Reichtums beraubt. Zeit für Wandel!“ Moderatorin: Schon merkwürdig wie frei Trump die Proteste interpretiert und wie schnell unsere Medien mitmachen, bevor sie überhaupt wissen, was los ist. Moderator: Tja, erinnert dich das zufällig an irgendwas? Moderatorin: Allerdings! Zum Beispiel an Libyen und Syrien, wo es ebenfalls gewaltsame Proteste und Tote gab. Damals war für die Spitzenpolitiker der EU und USA schnell klar, wer die alleinige Verantwortung trägt und das Gaddafi und Assad jetzt leider gehen müssen. Bei Assad ist die Rechnung allerdings nicht aufgegangen. Moderator: Anfangs protestierten junge Libyer in Bengasi und stellten legitime Forderungen an die Regierung. Später dann eskalierten die Proteste… Moderatorin: …mithilfe von außen, ganz klar. Unsere Qualitätsmedien trommelten zum Krieg und dann übernahmen islamistische Terroristen mithilfe der NATO-Flugverbotszone sehr schnell das Kommando. Interview mit David Cameron, britischer Premierminister: gelesen vom Moderator: „Unsere Botschaft an Gaddafi ist klar: Verschwinde! Geh! Du hast in diesem Land keine Zukunft. Diese Menschen, deine Bürger in Libyen wollen dich nicht mehr. Wir haben gesehen wie brutal du mit den Menschen umgehst und sie umbringst. In Bengasi, in Misrata, in Zintan und es ist Zeit für dich zu gehen.“ Moderator: Es ist doch so: Überall auf der Welt gehen Leute auf die Straße, um ihrem Frust Luft zu machen. Das Problem ist die selektive Empörung, die merkwürdigerweise immer nur Staaten trifft, die sich eben nicht so verhalten, wie von der westlichen Wertegemeinschaft gewünscht. Moderatorin: Wie im Fall Assad in Syrien: Erst Hoffnungsträger, dann Diktator. Moderator: Unter dem Banner der Freiheit und der Menschenrechte lassen sich westliche Interessen eben immer noch am allerbesten vermarkten. Nehmen wir ein entgegengesetztes Beispiel: Das Königreich Bahrain. Auch dort kommt es immer wieder zu Massenprotesten gegen die Regierung, für die Menschenrechte übrigens ein absolutes Fremdwort sind. Bahrain ist aber ein wichtiger regionaler Partner von Ländern wie Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien. Moderatorin: Also keine öffentliche moralische Empörung der Politiker und keine nennenswerte Berichterstattung trotz bildgewaltiger Proteste. [Einblendung eines langen Demonstrationszuges mit Rufen vieler Demonstranten] Moderator: Und weißt du, was dem Ganzen die Krone aufsetzt? Moderatorin: Bitte spann mich nicht so auf die Folter. Moderator: Eben dieses bahrainische Video aus dem Jahr 2011 wurde jüngst recycelt und verbreitete sich viral im Netz – als iranischer Massenprotest. Im Gegensatz zum vor sieben Jahren geposteten Original wurden die ‚Ente‘ innerhalb von wenigen Stunden über eine Million Mal geklickt. Da ist sie wieder – die selektive Empörung, jetzt verstärkt durch das Internet. Auch renommierte Journalisten haben diese Fake News verbreitet. So etwa Ali Al-Ahmed, ein vermeintlicher Investigativ-Journalist mit Sitz in Washington. Der hat sich beim ReTweeten ordentlich blamiert. Als Experte für die Golfregion sollte er die Flaggen von Bahrain und Iran eigentlich auseinander halten können… Ein Fall von ‚Rot-Grün-Schwäche‘ oder war hier der Wunsch Vater des ‚Gedankens‘? Moderator: Der iranische Präsident Hassan Rohani erklärte die Proteste für legitim, verurteilte aber im gleichen Atemzug die Gewalt und die Instrumentalisierung der Aufstände von außen. Nach Selbstkritik an Rohanis Wirtschaftspolitik sucht man allerdings in seinen Worten vergeblich. Im Gegensatz zu seinem wertkonservativen, aber sozialpolitisch ultralinken Vorgänger Ahmadinedschad kann man Rohani getrost als neoliberalen Reformer bezeichnen. Die Wut der Armen geht also auch auf das Konto seiner Politik. Apropos Instrumentalisierung… 1953 entledigten sich die CIA und MI6 mithilfe von gesteuerten Protesten des demokratisch gewählten iranischen Ministerpräsidenten Mohammad Mossaddegh. 2013 wurden dazu die ersten CIA- Akten offengelegt und nun kann jeder Interessierte selbst nachlesen, wie die Geheimdienste den Putsch organisierten. Mehr dazu auf „deutsch.rt.com“ in den Kurzclips. Moderatorin: Am 4. Januar wurde bekannt, dass die USA als Reaktion auf die Proteste neue Sanktionen gegen fünf iranische Rüstungshersteller, welche ballistische Raketen produzieren, ausgerufen haben. Moderator: Allerdings scheinen die Europäer diesmal nicht entschlossen am gleichen Strang mit den Amerikanern zu ziehen. Während Sarkozy sich 2011 noch an die Spitze der Befreier Libyens stellte, spricht Emmanuel Macron ja geradezu unerhörte Gedanken aus. Der Tonfall, den man aus den USA, Israel und Saudi- Arabien vernimmt, ist beinahe einer, der uns zum Krieg führen könnte. Moderatorin: Macron warnte davor die Proteste geopolitisch auszunutzen und die Achse des bösen wiederzubeleben. Moderator: Währenddessen hat Trump schon weiter vorgebaut. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, dass die Trump Administration über weitere Wege nachdenkt, den Iranern zu helfen. Da lässt sich nur sagen: „Hilfe, die Helfer kommen!“ Moderator: Um ein möglichst klares Bild der Situation zu erhalten, hat unsere Kollegin Maria Janssen mit dem gebürtigen Teheraner Professor Doktor Hamid Yousefi gesprochen. Unter anderem ist er Lehrbeauftragter der Universitäten Saarland und Potsdam. Moderatorin: Dieses Gespräch findet ihr unter der Rubrik Interviews und RT-Aktuell. Moderator: Ja, viel Spaß beim Weiterschauen. Moderator: Und bis zum nächsten Mal, liebe Zuschauer. Moderator: Bleibt uns treu!

von dd.


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