Samstag 10. Juni 2017

Politik | 10.06.2017

Gründe für die Isolation Katars – wem nützt sie? (1 von 2)

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Gründe für die Isolation Katars – wem nützt sie? Samstag, 10.06.2017 (1 von 2)
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Wie funktionieren moderne Kriege? (Version 2015) Freitag, 31.07.2015 (2 von 2)

5. Juni 2017: Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und weitere arabische Länder brechen die diplomatischen Beziehungen zum Golfemirat Katar ab. Der offizielle Vorwurf lautet: Unterstützung von Terrororganisationen wie der IS. Grenzen werden geschlossen, Flug- und Schiffsverbindungen unterbrochen – Katar wird vollkommen isoliert. Die entscheidende Frage lautet: „Cui bono“ - Wem nützt es, dass Katar politisch und wirtschaftlich isoliert wird?

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"Gründe für die Isolation Katars – wem nützt sie?"
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Gründe für die Isolation Katars – wem nützt sie? 10.06.2017

Am 5. Juni 2017 verkündeten die etablierten Leitmedien, dass einige arabische Länder – Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), der Jemen und auch Ägypten – ihre diplomatischen Beziehungen zum Golfemirat Katar abgebrochen haben. Die Grenzen seien geschlossen, Flug- und Schiffsverbindungen würden unterbrochen. Die völlige Isolierung könnte laut SRF-Korrespondentin Iren Meier in diesem, laut Statistik, reichsten Land zu einer humanitären Krise führen. Denn alle Lebensmittellieferungen kommen über Saudi-Arabien, über die Grenze, die jetzt geschlossen wurde. Offiziell werfen die Länder Katar vor, Terrororganisationen, wie die Muslimbrüder oder den IS, zu unterstützen. Seit Tagen nun wetteifern die verschiedensten Experten, sowohl aus den etablierten, als auch aus den alternativen Medien, um die Frage, was denn wirklich die ganze Wahrheit hinter dieser diplomatischen Krise sei und warum sie gerade jetzt wieder neu entbrannt ist. In dieser Sendung geht es nicht darum, eine endgültige Antwort auf diese Frage zu geben. Vielmehr soll das altbekannte Zitat „Cui bono“ – zu Deutsch „Zu wessen Vorteil?“ oder „Wem nützt dies?“ – helfen, darüber nachzudenken, ob den radikalen Sanktionen gegen Katar tatsächlich "Terrorvorwürfe" zu Grunde liegen, oder ob sie doch eher Teil einer gezielten Strategie sind. Denn wie der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt sagte: „In der Politik passiert nichts zufällig. Wenn es doch passiert, war es so geplant.“ Im Folgenden sollen deshalb einige mögliche Gründe für die Isolation Katars anhand dieser Frage „Cui bono“ erläutert werden: 1. Nützt die Isolation Katars der Terrorbekämpfung? Selbst Experten etablierter Medien räumen ein, dass es in diesem Konflikt nicht um die Terrorvorwürfe gehe, da Katar, Saudi-Arabien und auch die Vereinigten Arabischen Emirate beschuldigt werden, „islamistische“ Terroristen zu unterstützen, nur jeweils andere Gruppen. Beide Parteien unterstützten Terrorgruppen, um mit deren Hilfe die syrische Regierung zu stürzen. Diese Vorwürfe seien ein Vorwand zu einem viel größeren Konflikt, um den es hier geht, sagte zum Beispiel die SRF-Nahostexpertin Iren Meier. 2. Nützt die Isolation Katars dem Konflikt mit dem Iran? Verschiedene Experten etablierter sowie alternativer Medien äußerten sich, dass es hier um einen Konflikt zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien gehe. Diese beiden kämpften um die Vorherrschaft in der Region. Iren Meier sagte wörtlich: „Saudi-Arabien zielt nun auf Katar, meint aber Iran, und folgt der Linie von Präsident Trump. Der hat den Iran als Erzfeind bezeichnet. Er hat gesagt, man müsse ein Militärbündnis am Golf schmieden, um den Iran zu konfrontieren, und Katar hat es gewagt, diese Strategie zu kritisieren und wird nun als Iranfreund bezeichnet und bestraft.“ Demzufolge würde die Isolation Katars allen Irangegnern, wie den USA und den sunnitischen arabischen Ländern, nützen. 3. Nützt die Isolation Katars dem Kampf um die arabische Vormachtstellung in der Region? Der syrische Journalist und Autor Aktham Suliman sagte am 7. Juni, dass es hier nicht vordergründig um den Iran gehe, sondern darum, „dass die Saudis sagen, wir bestimmen hier die Musik, die erste Geige, und der muss Katar sich beugen“. Vor allem die Rolle der einflussreichen sunnitischen Bewegungen der Muslimbruderschaft scheint dabei entscheidend zu sein. Die Muslimbruderschaft unterscheidet sich im Wesentlichen von den anderen arabisch-sunnitischen Bewegungen dadurch, dass sie eine monarchische Herrschaftsform ablehnt. Deshalb wird sie von einigen arabischen Monarchien, wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain bekämpft. Für den US-amerikanischen investigativen Journalisten Brandon Turbeville liegt einer der Hauptgründe der Isolation Katars darin, dass Katar einer der größten Unterstützer der Muslimbrüder ist. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Türkei, die ebenfalls auf der Seite der Muslimbrüder steht, die Stationierung von Truppen in Katar beschlossen hat. Die Türkei besitzt bereits eine Militärbasis in dem Land. Eine Eskalation scheint vorprogrammiert, aber wem wird diese nützen? 4. Nützt die Isolation Katars dem Kampf um Ressourcen und Bodenschätze? Unter dem Meeresgrund Katars liegt das sogenannte „Nord-Gasfeld“, das zusammen mit dem „ South-Pars-Gasfeld“, das zum Iran gehört, das größte bisher entdeckte Gasfeld der Welt ist. Es sei von großer wirtschaftlicher und geostrategischer Bedeutung und soll u.a. laut Robert F. Kennedy Junior, dem Neffen des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, ein Grund für den Syrienkrieg sein. 5. Nützt die Isolation Katars dem Kampf um die weltweite wirtschaftliche Vorherrschaft? Katar hat mit seinem Staatsfonds global über 330 Milliarden Dollar investiert und verdient heute mehr Geld mit Investitionen, als mit Öl- und Gas-Exporten, sagte Daniel Woker, ehemaliger Schweizer Botschafter in Katar. Weltweit hält der Halbinselstaat Beteiligungen an globalen Konzernen wie VW, Credit Suisse usw., betätigt sich auf den Immobilienmärkten, kauft Ländereien, Wälder, Anleihen und andere Finanzinstrumente. Könnte es sein, dass eine wirtschaftliche Schwächung Katars dem US-Präsidenten Donald Trump, mit seinem Wahlspruch „Amerika zuerst“, entgegenkommt? 6. Nützt die Isolation Katars dem Kampf um die militärische Vorherrschaft in der Region? Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass eine Isolation Katars den US-amerikanischen Interessen entgegenwirkt. Das US-Verteidigungsministerium unterhält nämlich auf der Halbinsel den Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid, auf dem mehr als 8.000 Soldaten und zahlreiche Bomber, Jagd- und Tankflugzeuge stationiert sind. Das scheint auch Trumps „Zickzackkurs“ zu erklären. Einerseits lobte er auf Twitter den Boykott Katars: Es sei gut zu sehen, dass sich sein Besuch in Saudi-Arabien bereits ausgezahlt habe. Andererseits bemühte er sich, kaum einen Tag danach, um eine Einigung mit Katar, wie die etablierten Medien berichteten. Gerade hinsichtlich der US-Militärbasis in Katar muss auch beachtet werden, dass eine militärische Eskalation rund um Katar einerseits ein militärisches Eingreifen seitens der USA rechtfertigen und andererseits der US-amerikanischen Rüstungsindustrie nützen würde. Wieder einmal könnten sich die USA als „Retter“ erweisen, wie in unserem Lehrfilm „Wie funktionieren moderne Kriege?“ dargelegt wird. Deshalb bleiben Sie dran und beurteilen Sie die weiteren Ereignisse rund um Katar, mit der Frage, wem sie aus machtpolitischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht Vorteile bringen.

von dd


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