Freitag 12. Januar 2018

Medienkommentar Wirtschaft

Gründe für die weitere Bargeldeinschränkung (Einschätzung von Ernst Wolff) (1 von 2)

Gründe für die weitere Bargeldeinschränkung (Einschätzung von Ernst Wolff) Freitag, 12.01.2018 (1 von 2)
Bargeldabschaffung scheibchenweise – damit es nicht gleich so weh tut Dienstag, 28.02.2017 (2 von 2)

Seit einigen Jahren herrscht in der EU eine Politik der schleichenden Bargeldabschaffung mit der Begründung des Kampfes gegen Kriminalität, Korruption und Terrorismus. Aber sind das die wirklichen Gründe? Nach Ansicht des Finanzexperten Ernst Wolff sind dies nur Vorwände. Anhand des katastrophalen Zustandes unseres Finanzsystems verdeutlicht er, dass ganz andere Ziele verfolgt werden.

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"Gründe für die weitere Bargeldeinschränkung (Einschätzung von Ernst Wolff)"
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Gründe für die weitere Bargeldeinschränkung (Einschätzung von Ernst Wolff) 12.01.2018

In den letzten Jahren wurde die Nutzung von Bargeld in der EU mit der Begründung des Kampfes gegen Kriminalität, Korruption und Terrorismus immer mehr eingeschränkt. So wurden z.B. in nahezu allen Ländern der EU Obergrenzen für Bargeldzahlungen eingeführt und die Abschaffung des 500-Euro-Scheins bis Ende 2018 beschlossen. Diese Politik der Bargeldeinschränkung hält unvermittelt weiter an: So sieht jetzt ein Verordnungsentwurf der EU-Kommission weitere Einschränkungen in Sachen Bargeld bei der Ein- und Ausreise in die EU vor. Die EU-Parlamentsausschüsse für „Wirtschaft und Währung“ und für „bürgerliche Freiheiten“ stimmten diesem Entwurf bereits Ende 2017 zu. Bisher galt, dass Bargeld unterhalb von 10.000 Euro bei einem Grenzübertritt nicht beim Zoll angemeldet werden muss. Der neue Entwurf sieht nun aber vor, dass neben Geld auch die „Barmittel“ Schmuck, Gold und anonyme Kreditkarten bei Überschreitung eines Gesamtwerts von 10.000 Euro meldepflichtig sind. Darüber hinaus soll der Zoll ermächtigt werden, bei bloßem Verdacht auf eine kriminelle Handlung, Barmittel auch unterhalb von 10.000 Euro für bis zu 30 Tage zu beschlagnahmen. Brüssel begründet auch diese neuen Regeln mit der Bekämpfung von Kriminalität und Terrorismus. Finanzexperten sehen diese Argumente jedoch als vorgeschoben. Wir zitieren dazu im Folgenden den Finanzexperten Ernst Wolff: „Der unbefangene Beobachter fragt sich verwundert, wieso diese Themen gerade jetzt aufgebracht werden – schließlich existieren Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Korruption und auch der Terrorismus seit Jahrzehnten. Die Verwunderung ist berechtigt. Alle vier Gründe sind vorgeschoben und haben mit den wahren Motiven, die hinter der Eindämmung und möglichen Abschaffung des Bargeldes stecken, nicht das Geringste zu tun.“ Laut Ernst Wolff ist es die katastrophale Lage unseres Finanzsystems, die dazu führt, dass die Nutzung von Bargeld immer mehr eingeschränkt wird. Das globale Finanzsystem konnte während der Bankenkrise 2008 nur dadurch am Leben erhalten werden, dass zahlreiche Staaten mit Steuergeldern marode Banken retteten, was in der Fachsprache „Bail-out“ genannt wird. Mit der Begründung „too big to fail“ ­– zu groß um zu fallen – wurden so Banken künstlich am Leben erhalten. Diese nahmen die staatliche Rettung jedoch nicht zum Anlass, ihre Risiken zu minimieren, sondern nahmen sie als Freifahrtschein, um noch höhere Risiken einzugehen und noch mehr Schulden anzuhäufen. Da die Staaten inzwischen einfach nicht mehr genug Geld haben, um die Banken bei einer künftigen Krise erneut zu retten, wird eine staatliche Rettung, d.h. ein Bail-out, nicht mehr möglich sein. Aus diesem Grund wurde das „Bail-in“ eingeführt, d.h. Banken und Finanzunternehmen werden in Zukunft dadurch gerettet, indem zuallererst die Vermögen der Sparer, Kleinanleger und Kleinaktionäre zur Rettung herangezogen werden. Diese Form der Enteignung wurde bereits in Zypern, in Italien und in Portugal praktiziert. Die Folge ist allerdings, dass in einem solchen Fall alle Betroffenen versuchen, noch rechtzeitig ihre Konten zu räumen und ihr Erspartes zu retten. Doch dies ist nicht der alleinige Grund, das Bargeld abzuschaffen. Für den zweiten Grund der Bargeldabschaffung zitieren wir jetzt nochmals direkt Ernst Wolff: „Der zweite Grund für die Abschaffung des Bargeldes ist die rasante Talfahrt bei den Leitzinsen der Zentralbanken. Diese liegen fast überall nahe Null, in zahlreichen Ländern bereits im Negativbereich (z.B. Schweiz, Japan, EU). Zwar dauert es eine Weile, bis die Banken diese Negativzinsen an die Einleger weitergeben, aber das anschließende Szenario ist überall das gleiche: Statt dem Einleger am Ende des Jahres auf sein Sparguthaben Zinsen zu zahlen, wird ihm in Zukunft ein bestimmter Prozentsatz seines Geldes genommen. Auch diese Form der schleichenden Enteignung nehmen die arbeitenden Menschen nicht einfach hin. Wie das Beispiel Schweiz zeigt, hebt ein Großteil der Bevölkerung sein Geld nach der Einführung von Negativzinsen von der Bank ab und hortet es daheim. Genau diese Entwicklung versuchen Staat und Finanzindustrie nun zu verhindern, indem sie die umgehende Eindämmung und Abschaffung des Bargeldes vorantreiben.“ Nach Ansicht des Finanzexperten Ernst Wolff ist also der eigentliche Grund hinter der Eindämmung und Abschaffung des Bargeldes der Versuch von Staat und Finanzindustrie, den Menschen die Möglichkeit zu nehmen, ihr Vermögen von der Bank abzuheben. Gibt es kein Bargeld mehr, sind sie gezwungen ihr Geld bei der Bank zu lassen, so dass im Krisenfall der Staat und die Finanzwirtschaft auf die privaten Einlagen zurückgreifen können.

von hag


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